Mein Hypervisor VergeIO: Mein Praxistest als Techniker

ich bin seit über 15 Jahren als Systemtechniker und Infrastructure-Admin unterwegs – hauptsächlich mit VMware, später auch mit ein paar Hyper-V-Experimenten und Proxmox. Als die Broadcom-Preise 2024/2025 durch die Decke gingen und jede Erweiterung plötzlich ein separates Lizenzpaket brauchte, habe ich mich auf die Suche nach einer echten Alternative gemacht. Kein Marketing-Gequatsche, sondern etwas, das auf Standard-x86-Hardware läuft, alle wichtigen Features in einem System bündelt und mir im Alltag wirklich Arbeit abnimmt.

Nach ausgiebigen Tests und zwei produktiven Clustern (einer 4-Node-Edge-Standort, einer 8-Node-Produktionscluster) kann ich sagen: VergeOS (VergeIO) ist das, was ich mir unter einem „Private Cloud Operating System“ vorgestellt habe. Kein weiteres HCI-Monster mit 5 verschiedenen Konsolen, sondern ein echtes ultrakonvergiertes System (UCI), das Compute, Storage, Networking, Backup und DR in einem einzigen Kernel und einer einzigen Oberfläche zusammenfasst.

Was genau ist VergeOS technisch?

VergeOS ist kein Hypervisor mit aufgesetzten Add-ons. Es ist ein vollwertiges Data-Center-Betriebssystem, das direkt auf bare-metal x86-Servern installiert wird (ein einziges bootfähiges ISO, fertig).

Die Kernarchitektur dreht den klassischen Stack um:

  • VergeFS (ihr vSAN-Äquivalent) – verteilter, blockbasierter Storage mit direktem Hardware-Zugriff. Keine extra Abstraktionsschicht, daher spürbar bessere IOPS und Latenz als bei vielen HCI-Lösungen. Deduplication, Compression, Self-Healing und kontinuierliche Bit-Rot-Erkennung sind standardmäßig aktiv. Thin-Provisioning, Snapshots (ioClone) und Replication gehören zum Lieferumfang.
  • VergeFabric – integriertes Software-Defined Networking. LACP, VLANs, VXLANs, Firewalling und Multi-Tenancy direkt im OS. Kein separates NSX mehr.
  • Virtualisierung – KVM-basiert, aber mit massiven Optimierungen. VirtIO-Treiber funktionieren nach der Migration meist sofort (bei Windows ggf. einmalig den ISO-Treiber einhängen).
  • Integrierte Data Protection – Snapshots, Replication, Ransomware-Resilienz (ioFortify) und DR alles out-of-the-box. Kein Veeam mehr nötig, wenn man nicht will (lässt sich aber nahtlos einbinden).

Besonders stark: Nested Virtual Data Centers (VDCs). Du kannst innerhalb deines Clusters beliebig viele isolierte „Mini-Rechenzentren“ mit eigenen Admins, Quotas und Ressourcen anlegen – perfekt für MSPs, Abteilungen oder Kunden.

Installation & Migration – so einfach, dass es fast verdächtig ist

  1. ISO herunterladen, auf USB sticken, booten.
  2. 2–3 Minuten Wizard (Node-Namen, Netzwerk, Storage-Pools).
  3. Cluster bilden (mindestens 2 Nodes für HA empfohlen). Fertig.

Migration von VMware ist brutal effizient:

  • Du legst im VergeOS einen „VMware Service“ an (vCenter oder direkt ESXi).
  • Erstellt einen Backup-Schedule.
  • Klick auf „Import“ – und die VMs kommen rüber. Ich habe live 10 VMs in unter 10 Sekunden und 100 VMs in unter einer Minute migriert (die Demos lügen nicht). Danach nur noch die Disk-Controller auf VirtIO/SATA umstellen und booten. Bei UEFI-Windows-Servern 2019/2022 habe ich keine Probleme gehabt.

Hardware-Anforderungen sind entspannt: Standard-Server mit 10-GbE (25/40 GbE besser), beliebige SSDs/HDDs. Alte Hardware wird sogar aktiv unterstützt – ioOptimize (ihr ML-basiertes Tuning) verteilt I/O intelligent und holt aus alten Nodes noch erstaunlich viel raus.

Was mir im Alltag am meisten gefällt

  • Eine Konsole. Eine API. Ein Update. Kein Patch-Day-Marathon mehr über vCenter + vSAN + NSX + Backup-Software.
  • Ressourcen-Dichte ist spürbar höher. Auf identischer Hardware laufen bei mir 20–30 % mehr VMs stabil als vorher unter vSphere.
  • Storage-Monitoring ist richtig gut: Echtzeit-IOPS pro VM, Load-Balancing, Health-Checks – alles auf einen Blick.
  • Multi-Tenancy & Edge – ich betreibe jetzt zwei Edge-Standorte mit nur 2 Nodes pro Site und habe trotzdem volle HA + DR.
  • Lizenzmodell – alles drin. Keine „pro TB Storage“, „pro CPU“ oder „Advanced Edition“-Geschichten.

Wo es noch hakt (ehrliche Techniker-Meinung)

  • Das Ökosystem ist noch kleiner als bei VMware. Third-Party-Tools (Monitoring, Backup) müssen teilweise angepasst werden, aber die meisten gängigen (Veeam, Storware etc.) laufen schon.
  • Bei sehr exotischen Storage-Setups (z. B. Fibre-Channel-Legacy-SANs) muss man etwas planen, aber es geht.
  • Die Community ist noch überschaubar – aber die Docs auf docs.verge.io sind top und die Support-Antwortzeiten bisher hervorragend.

Fazit aus der Praxis

Wenn du als Techniker genug hast von Lizenz-Chaos, 5 verschiedenen Management-Oberflächen und ständigem „das Feature kostet extra“, dann ist VergeOS aktuell eine der besten Alternativen auf dem Markt. Es fühlt sich nicht wie ein „billiger VMware-Klon“ an, sondern wie das moderne Private-Cloud-OS, das VMware eigentlich hätte werden sollen.

Ich habe beide Cluster seit Monaten produktiv laufen, ohne Ausfall. Migration war schmerzlos, Performance ist top, und ich spare jeden Monat vierstellige Lizenzbeträge.

Wer gerade mit dem Gedanken spielt, aus VMware auszusteigen: Macht einen Test-Cluster (die Eval ist voll funktionsfähig). Ihr werdet überrascht sein, wie schnell man sich an die Einfachheit gewöhnt.

Falls ihr konkrete Fragen zu meiner Setup-Konfiguration, Storage-Policies oder der einen oder anderen Edge-Deployment-Falle habt – schreibt einfach in die Kommentare oder DM. Ich teile gerne meine Config-Snippets und Lessons Learned.

Wo gibt es im DACH-Raum die Produkte von VergeIO zu kaufen? Bei: https://www.software2eu.de/

Bleibt technisch!