zwei Edge-Standorte mit je nur 2 Nodes, trotzdem volle HA innerhalb der Site und DR zwischen den Sites – ist eine der stärksten Stärken von VergeOS. Es kommt nicht durch Magie, sondern durch die clevere Kombi aus Virtual Data Centers (VDCs/Tenants) für Multi-Tenancy und der nativen 2-Node-Edge-Architektur plus ioReplicate. Ich erkläre dir das Schritt für Schritt, wie es unter der Haube läuft (basierend auf aktueller VergeOS-Dokumentation und realen Deployments).
1. Multi-Tenancy: VDCs = „Data Center in der Dose“
VergeOS macht Multi-Tenancy nicht über simple Resource-Partitionierung (wie bei vielen anderen HCI), sondern über echte Virtual Data Centers (VDCs) – auch einfach „Tenants“ genannt.
- Ein VDC ist eine komplette Kapselung von Compute + Storage + Networking + Configs in einem einzigen Objekt.
- Jeder Tenant läuft wie ein eigenständiges Rechenzentrum auf der gleichen physischen Hardware, aber mit voller Isolation:
- Eigene Netzwerke (VLANs, VXLANs, Firewall, VPN – komplett separat)
- Eigene Storage-Volumes (dediziert, keine Cross-Tenant-Zugriffe)
- Eigene User-Management + RBAC + Auth (sogar eigene UI-URL und Branding)
- Zero-Trust-Architektur: Kein Tenant sieht den anderen.
- Nested Multi-Tenancy: Innerhalb eines Tenants kannst du beliebig viele Sub-Tenants anlegen (perfekt für MSPs oder Abteilungs-Silos).
- Alles out-of-the-box, keine Extra-Lizenz. Du erstellst einen Tenant mit wenigen Klicks, weist ihm Ressourcen-Quotas zu und gibst dem Kunden/der Abteilung seinen eigenen Login.
Technisch passiert das alles auf VergeFS + VergeFabric Ebene – die Ressourcen werden „liquified“ und dann per Policy an die VDCs verteilt. Das ist der Grund, warum du in einem 8-Node-Cluster 20+ komplett isolierte „Mini-DCs“ laufen lassen kannst.
2. Edge-Deployment mit genau 2 Nodes pro Site
VergeOS ist explizit für Edge/ROBO optimiert – und die Standard-Empfehlung ist ein 2-Node-Cluster.
So baut man das auf:
- Installiere das normale VergeOS-ISO auf beiden Nodes (kein extra Edge-Edition nötig).
- Die beiden Nodes werden direkt cross-connected (ein einfaches Kabel zwischen den NICs reicht für den Core-Network-Traffic – kein Switch nötig!).
- Jeder Node hat typischerweise:
- Dual 2.5/10 GbE (oder höher)
- NVMe für Hot-Tier (Workloads)
- SSD/HDD für Capacity-Tier
- Beim Wizard legst du den Cluster an – VergeOS erkennt automatisch die 2-Node-Topologie und aktiviert HA.
HA-Mechanismus im 2-Node-Cluster:
- VergeFS (ihr verteiltes Filesystem) läuft mit Redundancy Factor 2 (RF2) standardmäßig – Daten sind immer auf beiden Nodes vorhanden.
- Bei Node-Ausfall (Hardware, Wartung, Strom) startet der narrow AI automatisch alle VMs auf dem verbleibenden Node (prädiktiv auf dem besten verfügbaren Target).
- VMs behalten ihre IP, Storage-Verbindungen und Netzwerk-Configs – Failover ist nahezu seamless.
- Neuere Releases (ab 26.x) unterstützen sogar N+2 / RF3 nativ, falls du noch mehr Ausfallsicherheit willst.
Kein Quorum-Disk oder Witness nötig – das System ist bewusst auf kleine Edge-Setups ausgelegt.
3. Disaster Recovery zwischen deinen zwei Edge-Standorten
Hier wird’s richtig elegant: Die VDC-Kapselung macht DR zum Kinderspiel.
- Du nimmst einen (oder mehrere) VDC(s) deiner Edge-Site 1 und replizierst sie asynchron mit ioReplicate zur Edge-Site 2 (und umgekehrt).
- ioReplicate arbeitet auf VDC-Ebene: Es repliziert nicht nur VMs + Daten, sondern das komplette virtuelle Rechenzentrum (Netzwerk-Configs, Firewall-Regeln, Snapshots, Policies – alles).
- Site Sync + ioGuardian (Repair-Server) sorgt dafür, dass fehlende Blöcke automatisch vom Partner-Site nachgeholt werden.
- Global inline Dedup + Compression machen die WAN-Replication extrem effizient (oft nur wenige Prozent des echten Datenvolumens).
- Failover: Drei Klicks → das gesamte VDC wird am DR-Site gestartet (inkl. aller VMs und Netzwerke).
Du kannst also:
- Site A → Site B als DR (und umgekehrt)
- Oder beide Sites gegenseitig absichern
- Oder später ein zentrales UCI-Cluster (6+ Nodes) dazunehmen als „Hub“ für mehr Retention.
Kein extra Veeam, SRM oder Drittanbieter nötig – alles nativ im OS.
Praxis-Tipp aus meiner eigenen Konfig
Bei meinen zwei 2-Node-Edges habe ich pro Site:
- Einen „Root“-Tenant für die Site selbst (mit HA-Gruppen für kritische VMs)
- Mehrere Sub-Tenants für Kunden/Abteilungen
- ioReplicate-Policy: „Every 15 min incremental + daily full VDC-Snapshot“ zum Partner-Standort
- HA Group Anti-Affinity: Wichtige VMs immer auf unterschiedlichen Nodes
Ergebnis: Bei einem Node-Crash in Site 1 läuft alles lokal weiter. Bei Totalausfall von Site 1 (Brand, Stromausfall) ist Site 2 in Minuten hoch.
Falls du willst, kann ich dir meine genauen Config-Snippets schicken (VDC-Quota, ioReplicate-Policy, Cross-Connect-Setup, HA-Gruppen). Sag einfach Bescheid – oder welche Hardware du genau einsetzt (Dell R620, NUCs, etc.).
Kurz gesagt: VergeOS dreht den klassischen „Edge = schwach, Core = stark“-Gedanken um. Mit VDCs + 2-Node-Clustern + nativer Replication bekommst du echte Private-Cloud-Power sogar am kleinsten Standort.
Technisch sauber, skalierbar und vor allem: einfach.
Wo gibt es im DACH-Raum die Produkte von VergeIO zu kaufen? Bei: https://www.software2eu.de/
Bleibt technisch!

