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Wie finde ich gefallene Engel?

Die neue Ära der Krise: Warum klassische Absicherung versagt und wie man das Depot jetzt schützt

General Mills, Inc. (US3703341046 / GIS)

Zukunft Wassertechnologie

Das Aufspüren von Fallen Angels am Aktienmarkt – also ehemaligen Qualitätsunternehmen, die durch vorübergehende Probleme, Branchenkrisen oder enttäuschte Erwartungen massiv an Wert verloren haben – erfordert eine strukturierte Vorgehensweise. Viele Aktien beginnen zu fallen, weil ihre Aussichten zwar immer noch gut sind, der Markt sich aber schlichtweg noch mehr erwartet hatte. Das Ziel ist es, die Spreu vom Weizen zu trennen und echte Turnaround-Chancen von strukturellen Pleitekandidaten („Value Traps“) zu unterscheiden.

Hier ist ein bewährter Leitfaden, wie man solche Aktien systematisch findet und analysiert:

1. Screening: Technische Filter setzen

Um den Markt nach potenziellen Kandidaten zu durchkämmen, nutzt man Aktienscreener (z. B. TraderFox, stock3 Terminal, Finanztreff oder aktien.screener). Sinnvolle Filterkriterien sind:

  • Massiver Kursrücksetzer: Suchen Sie nach Aktien, die vom 52-Wochen-Hoch (oder dem Höchststand der letzten 260 Handelstage) mindestens 30 % bis 40 % (oder mehr) eingebrochen sind.
  • Historische Qualität (Fundamentaler Filter): Der Absturz soll nicht jeden treffen, sondern nur Unternehmen mit nachgewiesener Qualität. Man filtert nach:
    • Einer langfristig hohen Eigenkapitalrendite (ROE) oder Gesamtkapitalrendite in der Vergangenheit.
    • Einer soliden Bilanz (überschaubare Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA).
  • Marktkapitalisierung: Man konzentriert sich auf Mid- bis Large-Caps. Kleine Pennystocks sind oft zu spekulativ und haben selten die Substanz für ein echtes Comeback.

2. Ursachenforschung: Warum ist die Aktie gefallen?

Nicht jeder Absturz ist eine Kaufchance. Man muss die Natur des Kurssturzes kategorisieren:

  • Der „gute“ Absturz (Panik / zyklisches Tief):
    • Das Unternehmen verfehlt einmalig die Quartalsergebnisse, leidet unter einer branchenweiten Zyciuskrise oder leidet unter einer allgemeinen Marktpanik (Makro-Faktoren).
    • Beispiel: Ein starker Rücksetzer im Zuge von Zinsängsten oder geopolitischen Spannungen, obwohl das operative Geschäft intakt ist.
  • Der „schlechte“ Absturz (Struktureller Niedergang / Value Trap):
    • Das Geschäftsmodell wird disruptiert (z. B. durch neue Technologie oder verändertes Konsumverhalten).
    • Bilanzfälschung, dauerhafter Margenschwund oder Management-Fehlschritte, die das Fundament beschädigen. Hier sollte man die Hände von lassen.

3. Fundamentale Prüfung der Bilanz und des Cashflows

Echte Fallen Angels zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Durststrecke finanziell überstehen können:

  • Solide Liquidität: Prüfe die kurzfristigen Vermögenswerte und den operativen Cashflow. Hat das Unternehmen genug Cash, um operative Verluste oder schwierige Phasen (z. B. über 12 bis 24 Monate) zu überbrücken, ohne sich zu ruinösen Konditionen verschulden zu müssen?
  • Intakter Burggraben (Moat): Besitzt das Unternehmen Markenrechte, Patente, Skaleneffekte oder Netzwerkeffekte, die Konkurrenten auch in der Krise nicht so leicht kopieren können? Ist das Unternehmen Nischenkönig?

4. Auslöser (Catalysts) für den Turnaround identifizieren

Eine Aktie steigt selten von alleine wieder auf. Sie benötigen Indikatoren, die eine Trendwende einleiten:

  • Managementwechsel: Wurde der verantwortliche CEO ausgetauscht? Bringt ein neuer Kopf frischen Wind und eine glaubwürdige Restrukturierungsstrategie?
  • Insiderkäufe: Kaufen Vorstände oder Aufsichtsräte massiv eigene Aktien? (Ein starkes Vertrauenssignal, wenn das Management eigenes Geld riskiert).
  • Restrukturierung & Kostendisziplin: Werden unprofitable Sparten abgestoßen und Kosten gesenkt, um die Margen zu stabilisieren? Kauft man einen neuen Impulsgeber auf?

5. Warten auf die Bodenbildung – erste Lebenszeichen erkennen

Bevor ich den Einstieg wage, warte ich gezielt auf Anzeichen einer Bodenbildung. Denn ein fallendes Messer fängt man erst, wenn es den Boden berührt hat. Auf diese Signale achte ich:

  • Kursstabilisierung: Der Kurs fängt an, sich auf einem neuen, niedrigeren Niveau einzupendeln und seitwärts zu laufen, statt weiter durchgereicht zu werden.
  • Nachlassender Verkaufsdruck: Das Handelsvolumen geht bei weiter sinkenden Kursen spürbar zurück – ein Zeichen dafür, dass die Panikverkäufe abebben.
  • Psychologische Wendepunkte: Das Unternehmen liefert durchwachsene Nachrichten, aber die Aktie reagiert darauf plötzlich positiv oder zumindest stabil.

Hier spiegelt sich die Börsenpsychologie perfekt wider: Genauso wie hochgelobte Unternehmen bei Höchstständen trotz guter Zahlen fallen, wenn sie die überzogenen Erwartungen verfehlen, drehen angeschlagene Aktien oft schon nach oben, wenn die Nachrichten zwar immer noch schlecht, aber eben nicht mehr ganz so katastrophal wie befürchtet sind.