Eröffnung einer Position bei Verbund

Hohe Gaspreise wirken über das Merit-Order-Prinzip wie ein Hebel auf den Strompreis – und die Verbund-Aktie ist historisch gesehen eine der sensibelsten Profiteure (oder Leidtragenden) dieses Mechanismus.

​Hier ist die einfache Logik dahinter:

​1. Die Wirkung bei der Merit Order

​Das Merit-Order-Prinzip legt die Einsatzreihenfolge von Kraftwerken nach ihren Grenzkosten (nur die variablen Kosten für die nächste produzierte Megawattstunde) fest.

  • Reihenfolge: Zuerst kommen Wind, Sonne und Wasser (Grenzkosten fast null), dann Kernkraft und Kohle.
  • Das Grenzkraftwerk: Das teuerste Kraftwerk, das gerade noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken, setzt den Preis für alle Anbieter am Markt (Pay-as-Clear).
  • Der Gas-Effekt: Da Gaskraftwerke oft die teuersten im Mix sind, fungieren sie häufig als Grenzkraftwerk. Steigen die Gaspreise, schießen die Grenzkosten dieser Kraftwerke nach oben.
  • Die Folge: Der gesamte Börsenstrompreis steigt massiv an, auch wenn der Großteil des Stroms (z. B. aus Wasserkraft) eigentlich sehr günstig produziert wurde.

​2. Auswirkungen auf die Verbund-Aktie

​Die Verbund AG ist Österreichs größter Stromerzeuger und produziert rund 95 % ihres Stroms aus Wasserkraft. Das macht das Unternehmen zu einem „Inframarginal-Gewinner“.

​Warum die Aktie bei hohen Gaspreisen meist steigt:

  • Massive Margenausweitung: Während die Kosten für Wasserkraft stabil bleiben, verkauft Verbund den Strom zu den hohen Preisen, die das Gas-Grenzkraftwerk setzt. Dies führt zu sogenannten Windfall Profits (Zufallsgewinnen).
  • Cashflow-Booster: Höhere Strompreise fließen fast eins zu eins in das EBITDA und den freien Cashflow, was oft höhere Dividendenversprechen zur Folge hat.

​Die Kehrseite (Warum die Aktie auch fallen kann):

​Obwohl hohe Gaspreise fundamental gut für Verbund sind, gibt es Risiken, die den Aktienkurs belasten können:

  • Regulierung (Übergewinnsteuer): Wenn die Gewinne durch die Merit Order als „unmoralisch“ hoch angesehen werden, greift der Staat oft ein (Abschöpfung von Erlösen), was Anleger abschreckt.
  • Wasserdargebot: Wenn die Gaspreise hoch sind, aber die Flüsse wenig Wasser führen (trockene Sommer), kann Verbund weniger Strom produzieren und profitiert kaum von den hohen Preisen.
  • Normalisierungserwartung: Da die Aktie oft als „Proxy“ für den Strompreis gehandelt wird, fällt sie sofort, wenn der Markt erwartet, dass die Gaspreise in Zukunft wieder sinken (wie man es im Kursverlauf 2024/2025 beobachten konnte).