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Die Österreichische Schule der Nationalökonomie (Austrian Economics) – vertreten durch Ökonomen wie Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek und Murray Rothbard – unterscheidet sich in ihrer Definition und Erklärung von Inflation grundlegend vom ökonomischen Mainstream (z. B. Keynesianismus oder Monetarismus).
1. Die ursprüngliche Definition von Inflation
Für Vertreter der Österreichischen Schule ist Inflation nicht der Anstieg der Verbraucherpreise, sondern die Ausweitung der Geldmenge (insbesondere durch ungedecktes Papiergeld oder Kredite ohne entsprechende Sparleistung).
- Ursache der Inflation: Erhöhung der Geld- und Kreditmenge im System.
- Wirkung der Inflation ist die Preissteigerung: Der Anstieg der Güterpreise ist lediglich die zwingende Folge der vorangegangenen Geldmengenausweitung.
Aus dieser Sicht ist der Begriff „Preisinflation“ eine Tautologie oder Begriffsverwirrung: Die Preise steigen nicht „einfach so“, sondern weil die Kaufkraft der einzelnen Geldeinheit sinkt, wenn mehr Einheiten dieselbe Menge an Gütern nachfragen.
2. Der Cantillon-Effekt (Ungleichmäßige Preiswirkung)
Ein zentrales Konzept der Österreichischen Schule ist, dass eine Geldmengenausweitung niemals alle Preise gleichzeitig und im selben Verhältnis anhebt. Das neu geschaffene Geld fließt nicht wie Regen gleichmäßig über die Wirtschaft, sondern tritt an spezifischen Punkten in das System ein (z. B. über Zentralbankkredite an den Staat oder Geschäftsbanken).
[Zentralbank / Kreditförderung]
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│ Erstempfänger │ ──► Kaufen Güter zu alten (niedrigen) Preisen
│ (Staat, Banken, Groß- │ ► Höhere Gewinne & Vermögenszuwachs
│ konzerne, Finanzmarkt) │
└────────────────────────┘
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▼ (Geld sicker durch die Wirtschaft)
┌────────────────────────┐
│ Letztempfänger │ ──► Konfrontiert mit bereits gestiegenen Preisen
│ (Lohnempfänger, │ ► Kaufkraftverlust & Reallohneinbußen
│ Sparer, Rentner) │
└────────────────────────┘
Dieser Cantillon-Effekt führt zu einer künstlichen Vermögensumverteilung von den Letztempfängern des Geldes hin zu den Erstempfängern.
3. Fehlinvestitionen und der Österreichische Konjunkturzyklus (ABCT)
Die Ausweitung der Geldmenge erfolgt in modernen Wirtschaftssystemen primär durch die Senkung der Leitzinsen und Kreditexpansion. Nach der Austrian Business Cycle Theory hat dies gravierende Folgen für die Realwirtschaft:
- Künstlich niedrige Zinsen: Der Zins signalisiert normalerweise das Angebot an echten Ersparnissen. Durch Geldmengenausweitung wird dem Markt signalisiert, es gäbe mehr Kapital als tatsächlich vorhanden.
- Fehlinvestitionen (Malinvestments): Unternehmer beginnen langfristige, capital-intensive Projekte, die sich bei normalen Marktbedingungen nicht rechnen würden (z. B. Überkapazitäten im Immobilienmarkt oder im Bausektor).
- Der unvermeidliche Crash: Da den Investitionen keine echten Konsumverzichte (Ersparnisse) gegenüberstehen, werden Ressourcen knapp. Die Zinsen müssen steigen oder die Fehlallokation wird sichtbar – es kommt zur Korrektur (Rezession/Krise).
4. Hauptursachen der Geldmengenausweitung
Die Österreichische Schule sieht zwei Haupttreiber der expansiven Geldpolitik:
- Das Teilreservebanksystem (Fractional Reserve Banking): Banken schaffen Buchgeld aus dem Nichts („Geld aus dem Nichts“ / Fiat Money), indem sie Kredite vergeben, die nur zu einem Bruchteil mit Mindestreserven hinterlegt sind.
- Staatsfinanzierung über die Zentralbank: Wenn Staaten mehr ausgeben, als sie über Steuern einnehmen, wird die Lücke häufig direkt oder indirekt durch den Kauf von Staatsanleihen über die Zentralbank geschlossen.
Vergleich: Österreichische Schule vs. MainstreamMainstream (Keynesianismus / Monetarismus): Anstieg des Verbraucherpreisindex (VPI
Definition Inflation Mainstream (Keynesianismus / Monetarismus): Anstieg des Verbraucherpreisindex (VPI
Definition Inflation Österreichische Schule: Ausweitung der Geld- und Kreditmenge
Hauptursache: Nachfrageüberhang, Angebotsschocks, KostensteigerungenZentralbankpolitik, Kreditexpansion, Fiat-Geld-System
Preisveränderung: Wird als allgemeiner Preisanstieg gemessenVerfälschte Relativpreise (Cantillon-Effekt)
Lösung: Zinssteuerung, Fiskalpolitik, VPI-Targeting (2%)Freies Geldwesen (z. B. Goldstandard, Free Banking), Abbau der Zentralbanken
